Jethro Tull-The Rock Opera

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Moderator: King Heath

Beasty
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Re: Jethro Tull-The Rock Opera

Beitrag von Beasty » Do Nov 24, 2016 4:05 pm

He's hundred names of terror, the creature you love the least. Picture his name before you and exorcise the beast.

Laufi
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Re: Jethro Tull-The Rock Opera

Beitrag von Laufi » Do Nov 24, 2016 4:16 pm

Sehr fundiert. Der Name des Autors sagt mir was ;-)
"Du hast wohl nen nassen Helm auf!"

http://www.laufi.de

CaptainFalcon
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Re: Jethro Tull-The Rock Opera

Beitrag von CaptainFalcon » Do Nov 24, 2016 4:17 pm

Eine wirklich sehr gute Rezension! Schön das Konzert/die Tour mit den Stärken und Schwächen zusammengefasst.

Beasty
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Re: Jethro Tull-The Rock Opera

Beitrag von Beasty » Do Nov 24, 2016 4:27 pm

Danke euch. Ich sehe das Schreiben fast als Therapie um mit der Situation fertig zu werden, dass ein von mir über alles geschätzter Künstler gerade große Mühe hat die Balance zu halten. Die Idee mit den Gastsängervideos halte ich für grds. sehr gut aber mein Kumpel meinte, eigentlich verschlimmert es die Situation um Andersons Gesang nur noch mehr. Wenn er sich einschaltet wird es schwierig und glaubt mir, die Leute um uns herum haben dauernd getuschelt und die Köpfe geschüttelt. Viel mehr als früher. Und wenn man dann anfängt die schönsten Tullperlen nicht wirklich mehr genießen zu können tut das weh. Ich gehe hin weil ich die Kompositionen von Jethro Tull liebe. Aber dazu gehört nun mal auch Andersons einst so fantastische Stimme. In früheren Reviews habe ich fast in Gänze auf Kritik darüber verzichtet aber es geht einfach nicht mehr. Es schmerzt!
He's hundred names of terror, the creature you love the least. Picture his name before you and exorcise the beast.

Birgit
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Re: Jethro Tull-The Rock Opera

Beitrag von Birgit » Do Nov 24, 2016 6:28 pm

Ja, das trifft es ganz gut.
Hier noch eine Meinung zu dem Konzert:
http://www.morgenweb.de/nachrichten/kul ... /1.3054915

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Nightcap
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Re: Jethro Tull-The Rock Opera

Beitrag von Nightcap » Do Nov 24, 2016 9:30 pm

Sehr schöne, zutreffende und trotzdem wohlwollende Kritik von Beasty.
Vielen Dank dafür! Man liest ja selten solche fundierten Artikel.

Nachdem wir ja bereits ausgiebig über den "Gesang" von Ian debattiert haben, möchte ich noch ein wenig auf das generelle Konzept der Rock Oper und das Konzert in Mannheim eingehen. Wie gesagt, das Ganze nach langer Live-Abstinenz.
Beim letzten Konzert hat Ian noch alles selbst gesungen und ein gewisser Martin Barre stand noch mit auf der Bühne...

Wir waren früh dran, haben uns daher noch mit einer Wurst auf dem Weihnachtsmarkt gestärkt und waren wild entschlossen, das Ganze unbefangen auf uns wirken zu lassen. Beim Reingehen schon die Bemerkungen anderer Zuhörer "oje, wieder alles nur Leute 50+". Störte mich aber nicht, da gehöre ich schließlich selbst zu. Ich finde es immer toll, die "alten" Fans zu sehen.
Der Saal war gut gefüllt und los gings. An das Konzept mit den virtuellen Sängern und den kurzen Überleitungen, den "Rezitativen" muss man sich erst mal gewöhnen. Von Opern kennt man das ja, allerdings stehen die Sänger da live auf der Bühne.
Die Story hatte ich mir vorher durchgelesen. Ist in etwa so wirr, wie ich Opern von Händel kenne.
Also vergessen und einfach auf die Musik konzentrieren.

Die Rezitative sind auch schon mein erster Kritikpunkt. Aus meiner Sicht völlig überflüssig, da den Text in unserem Sprachraum sowieso kaum jemand versteht. Da zwischen den Songs ja sowieso Pausen mit Black Screen sind, hätte ich entsprechende Live-Ansagen von Ian eindeutig besser gefunden. Das hat mir wirklich gefehlt. Als begnadeter Entertainer wäre er ein echter Gewinn gewesen!
Die Videos sind allerdings wirklich sehr aufwendig gemacht. Ich fand das Gesamtkonzept trotzdem nicht so dolle, meiner Frau hat das aber gut gefallen, weil visuell doch einiges geboten wird. Wie Beasty schon geschrieben hat, ging darüber das Geschehen auf der Bühne allerdings etwas unter. Gerade aus einer mittleren Entfernung (hatte mich erst spät um Karten bemüht) schaut man dann doch eher auf den Screen.

Was ich beeindruckend fand, war die Präzision der Band, nicht nur, aber auch in Bezug auf den virtuellen Teil. Ein absolut eingespieltes Team, tolle Musiker, keine Frage. Gerade bei den Instrumental-Teilen z.B. bei LITP geradezu grandios.
Zum "Gesang" von Ian nur noch so viel:
Weil hier oft behauptet wird, dass das nur uns Hardcore-Fans stört, muss ich sagen, dass meine Frau das noch wesentlich krasser empfindet als ich. "Der kann mir gerne den ganzen Abend was vorlesen mit seiner tollen Stimme, aber mit dem Singen muss er endgültig aufhören!"
Die virtuellen Sänger treffen wenigstens die Töne, haben uns aber nicht wirklich gefallen. Das ist aber sicher Geschmacksache. Ryan fand ich noch am besten, wenn er etwas aggressiver zu Werke geht, z.B. bei Wind Up.
Unnur war auf Dauer etwas ermüdend. Kommt vielleicht zu oft zum Einsatz.

Die Stimmung in der Halle fand ich eher gedämpft. Klar, Applaus zwischen den Songs, aber während der Musik hat kaum jemand Stimmung gemacht, alle saßen da wie im Kino.
In der Pause dann sehr viele ratlose Gesichter und irgendwie alles sehr ruhig.
Auch kein Geklatsche während Loco, aber immerhin zum Schlussapplaus sind alle aufgestanden.
Ich habe allerdings selten erlebt, dass der Mozartsaal sich so schnell entleert wie gestern. Früher bin ich immer noch eine Weile drin geblieben und habe Louis Armstrong gelauscht und die Atmosphäre genossen, gestern wollte ich nur noch raus an die frische Luft. Irgendwie traurig, das Alles.

Insgesamt ein zwiespältiges Erlebnis. Ein ambitioniertes Konzept, vielleicht hat er auch zuviel gewollt.
Aber wir wollten es uns einfach mal anschauen.
Ein zweites Mal brauche ich es sicher nicht.
Es spricht aber für Ian, dass er den Mut hat, was neues zu probieren.
Da greift man halt auch mal daneben.
Zum Abschluss aber noch was Positives:
Es ist wirklich beeindruckend, wie fit Ian mit seinen knapp 70 noch ist, an der Flöte und beim Agieren auf der Bühne. Definitiv noch zu aktiv, um in Rente zu gehen!
Life's a long song
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Beasty
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Re: Jethro Tull-The Rock Opera

Beitrag von Beasty » Do Nov 24, 2016 11:50 pm

Danke auch an Birgit und Nightcap, dessen Einschätzung ich nur zu 100% unterschreiben kann. Ich denke aber, dass es auch jeden Fall live weiter gehen wird und Ryan O'Donnell wieder einen groesseren Part einnehmen koennte. Gerade im Bereich des 50th Jubiläum, laesst dich Ian Anderson nicht die Butter vom Brot nehmen.
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Kwyjibo
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Re: Jethro Tull-The Rock Opera

Beitrag von Kwyjibo » Fr Nov 25, 2016 12:06 am

Irgendwie versuchen wir alle eine Lösung für ein "Problem" zu finden, dass nur Anderson selbst lösen kann.

Bezogen auf die Rock Opera ist die Bezeichnung Licht und Schatten wirklich sehr zutreffend.

Wie angesprochen fehlt die Anbindung zum Publikum merklich und obwohl fast alles live gespielt wird (musikalisch top), wirkt es dann ein wenig so, als würde es vom Band kommen, da der Ablauf keine Zeit für Pausen lässt.

Bei Andersons Stimme stelle ich mir immer die gleiche Frage. Warum nimmt er nicht von vorneherein die Songs, die stimmlich noch etwas hergeben und lässt andere (auch wenn es gute Songs sind) nicht einfach weg. Mehr Akkustik-Stücke, lasst die Stimme etwas atmen, damit sie nicht zu häufig gegen die Soundwand ansingen muss. Stücke wie Cheap Day Return oder auch Jack in the Green funktionieren so ganz wunderbar, dass ich mich frage, warum geht das nicht immer so? Oder selbst ein Sweet Dream auf der Homo Tour gefiel überraschend gut.

Jetzt wie von den Gastsängern manche Parts rübergebracht werden, ertappt man sich dabei, dass man froh ist, dass Anderson diese Passagen nicht singen muss und wenn er es ansatzweise tut (zum Beispiel bei Back to the Family), dann klingt das im Vergleich schlecht. Man fragt sich gar, wie er komplett ohne Gastsänger noch ein Konzert alleine aufziehen will.

Also was bleibt als Möglichkeiten übrig?

Soll Anderson sich komplett auf das Bedienen der Instrumente und der Interaktion mit dem Publikum beschränken und das Singen anderen überlassen?

Soll Anderson gezielt die Stücke rauspicken, die von der Stimme her passen, (böse Zungen werfen jetzt ein, dass dann nur Instrumentalstücke übrig bleiben :P)?

Oder soll er das Touren komplett sein lassen und nur dafür da sein, vielleicht noch den einen oder anderen neuen Song zu veröffentlichen?

Damit wären wir wieder beim Anfang .Wir haben das nicht und können das nicht entscheiden. Sondern nur der Mann selbst, der in seinem hohen Alter offentsichtlich noch Spaß daran hat auf der Bühne zu stehen. Was das angeht, wird sich das in absehbarer Zeit von alleine erledigen (Bühnenauftritte!) und das ist das wirklich traurige daran.

Beasty
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Re: Jethro Tull-The Rock Opera

Beitrag von Beasty » Fr Nov 25, 2016 12:15 am

Auch das ist alles richtig. "Aqualung" ist eine Qual. Anderson kommt gegen die laute Rockmusik nicht an und der Gesang versackt förmlich. Alle akustischen Strecke funktionieren prima und "Weathercock" mit seinem majestätischen Outro zu hören war grandios. Die neuen Songs hingegen fand ich erschreckend mittelmäßig und zu stark auf die Sängerin zugeschnitten.
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Magus Perde
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Re: Jethro Tull-The Rock Opera

Beitrag von Magus Perde » Fr Nov 25, 2016 12:50 am

Vermutlich berühren beide Kritiken Punkte, die wir hier nicht unbedingt lesen wollen. Objektiv gesehen rechtfertigt sich auch ein Verriss, jedenfalls was Berlin angeht.

Mich hat die "Show" nicht erreicht und auch nicht berührt. Da ich mir im Vorfeld keines der Telefonvideos an- und auch nur wenige Bilder gesehen habe, bin ich jungfräulich bzw. unbeschnitten in das Konzert gegangen. Der Sound war sehr gut, leider wurde die E-Gitarre nach und nach runter geregelt, so dass bei "Farm On The Freeway" das geniale Zusammenspiel von Flöte und Gitarre nicht mehr zur Geltung kam. Sehr Schade.

Das preislich moderate Programmheftlein habe ich erst auf dem Heimweg in der S-Bahn gelesen, aber die Parallelen zur Erzählstruktur von TAAB 2 sind mir schon im Konzert aufgefallen. Als kurz vor Konzertbeginn der Schriftzug "Jethro Tull The Rock Opera" auftauchte, hörte ich jemanden hinter mir sagen: "Ach was!". Für den "Normal"-Zuschauer mit mäßigen bis keinen Englischkenntnissen dürfte die ganze Geschichte ein Rätselheft geblieben sein. Zumal die live gesungenen Texte kaum bis gar nicht zu verstehen waren. Das gilt insbesondere für die textlichen Veränderungen der alten Stücke, die auch noch zu dem Kuriosum führten, dass sich IA bei "Aqualung" schwer verspielte. Wenn sich die Hirnzellen über vierzig Jahre lang an das Zusammenspiel von Text und Gitarrenspiel gewöhnt haben, kann es da schon mal zu einer Fehlfunktion kommen. Auch bei "Aqualung".

Den Inhalt von "Fruits of Frankenfield" habe ich nur dem Video entnehmen können, die Wortfetzen, die mich erreichten, genügten dafür nicht. Das Stück war für mich der Höhepunkt des Abends sowie die ausgedehnte, wenn auch nicht wirklich interessante, Version von "Locomotive Breath", was aber vor allem dem Video geschuldet war.

Es wird hier immer wieder behauptet, zur Stimme von IA wäre schon alles gesagt. Dabei wird aber vergessen, dass sie immer weiter den Bach runtergeht. Das Gekrächze von Berlin jedenfalls war nicht akzeptabel und hat mir körperliches und geistiges Unbehagen bereitet. Ich kann nicht verstehen, dass ein Perfektionist und hochbegabter Musiker diesen Teil seiner Aufführung so komplett ignoriert und damit einen großen Schatten auf seine Musik wirft. Mir hat es sehr weg getan. Ich glaube nicht, dass ich mir das noch einmal geben kann. Nur ein Konzert mit Streichquartett und Gastsänger wäre für mich noch denkbar. Apropos denkbar - consonant please, Carol - dankbar dürfen wir allemal sein für die vielen Jahre die uns IA geschenkt hat. Wenn sich das jetzt wie ein Nachruf liest, dann ist das auch so gemeint.

Die Meinungen, wann die "echten" Jethro Tull, jene begnadeten Dilletantisten, wie sie ein Forumsinsasse bezeichnet hat, aufgehört haben zu existieren, gehen ja weit auseinander, aber um im akzeptierten Konsens zu bleiben behaupte ich, dass Martin Barres Weggang das Ende nicht nur des Bandnamens sondern auch der Musik als eigenem Stil bedeutet hat. Florian Opahle ist ein technisch begnadeter Gitarrist und ich habe ihm während des Konzertes gerne zugesehen - wenn er nicht gerade den fratzenscheidenden Poser gegeben hat -, aber Martins Gitarre nur nachzuspielen, reicht mir nicht aus. Und so muss ich mir jetzt einfach eingestehen, dass es das für mich war. Wenn zu keinem Zeitpunkt des Konzerts - auch nicht bei "Fruits of Frankenfield" - ein freudiges Gefühl in mir hochkommt sondern eher Mitleid und Fremdschämen, habe ich dort nichts verloren.

Es war lange, lange Zeit sehr schön. Dafür meinen tiefempfundenen Dank.

Put my cap on my head. I turn and walk away.

King Heath
DANKE!!!
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Whistling Catfish
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Re: Jethro Tull-The Rock Opera

Beitrag von Whistling Catfish » Fr Nov 25, 2016 2:44 am

Sieh an, lieber Beasty, da stritten wir über Jahre trefflich miteinander und am Schluss sind wir uns dann doch einig... :wink: ! In der Tat eine sehr treffende Jnd wunderbar geschriebene Kritik, die Du da verfasst hast. Kompliment auch von mir!

Ich bin vor gut einer Stunde aus Düsseldorf heimgekehrt und bin jetzt natürlich nicht in der Lage ausführlich zu schreiben. Und sehr viel Wahres wurde hier ja auch im Laufe des Abends von Euch allen formuliert. Die Produktion ist in der Tat eine Sache von Licht und Schatten, wobei in meiner Wahrnehmung die Schatten deutlich überwiegen. Ich werde morgen mal etwas ausführlicher berichten, auch wenn im Grunde bereits alles gesagt wurde.

Nur ganz kurz eine Sache, die m. W. noch nicht angesprochen wurde: Die ganze Aufführung ist neben allen angesprochenen Schwächen auch weitestgehend humor- und spasslos! War (der oftmals derbe) Humor nicht auch immer ein ganz wesentlicher Bestandteil des Zaubers? Die Oper will m. E. viel zu ernst genommen werden. Das war schon bei HE ein Problem, aber hier tritt es m. E. noch sehr viel deutlicher zu Tage.

Bis später,
J.
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Nightcap
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Re: Jethro Tull-The Rock Opera

Beitrag von Nightcap » Fr Nov 25, 2016 9:14 am

Whistling Catfish hat geschrieben:Nur ganz kurz eine Sache, die m. W. noch nicht angesprochen wurde: Die ganze Aufführung ist neben allen angesprochenen Schwächen auch weitestgehend humor- und spasslos! War (der oftmals derbe) Humor nicht auch immer ein ganz wesentlicher Bestandteil des Zaubers? Die Oper will m. E. viel zu ernst genommen werden.
Stimmt, das ist ein ganz wichtiger Punkt, den ich genauso sehe, ohne dass ich es hätte in Worte fassen können.
Vielleicht ist es das, was mich an der Story gestört hat.
Trotz einiger optisch guter Ideen wird sie einfach zu brav und bieder runter erzählt.
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Beasty
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The Rock Opera

Beitrag von Beasty » Fr Nov 25, 2016 11:03 am

Streitkultur ist immer gut, wenn es um die Sache geht. Du hast Anderson immer verteidigt, so hatte ich zumindest den Eindruck. Das ist eigentlich bewundernswert. Mir ging es aber nicht einfach nur um „Critique Oblique“. Wahrscheinlich bin ich einfach nur zutiefst traurig, dass ich Tull nie in den Heydays sehen konnte. Es gibt wenige Acts, die in einer Spanne von circa 15 Jahren solch‘ ein imposantes, donnerndes Gesamtwerk geschaffen haben. Anderson strotzt in den 70s Produktionen und in Livemitschnitten nur so vor Kraft, Ideenreichtum und Innovation. Die Videoeinspielung vom jungen Ian (siehe Bild) während des Konzerts in Mannheim sorgte fast für Traurigkeit bei mir. Man kann noch so viele Worte verlieren, am Ende hängen am „Live-Business Anderson“ auch viele Arbeitsplätze und Existenzen. Das einfach so auf 0 zu fahren, nach so vielen Jahren des routinemäßigen Konzertbetriebes, geht nicht so einfach.
In meinen Augen hat sich der Gesamteindruck seit der hervorragenden TAAB II Inszenierung im Jahre 2012 auch kontinuierlich verschlechtert. Ryan war 2012 eine wunderbare Ergänzung zu Ians Gesang/Stimme. HE war schon ein viel schwerer Brocken (Steven Wilson hat nicht mehr mitproduziert) und die Rockoper ist Flickwerk. Es ist dort weiterhin etwas irritierend, dass die bildhübsche Isländerin einen so dominanten Part einnimmt. Ihre Stimme erinnert mich doch sehr an 80s Musicaldarstellerinnen.
Was den fehlenden Humor betrifft, so denke ich ist vieles auch „Lost in Translation“. Man kann die trockenen britischen Darbietungen von Goodier und O‘ Hara gar nicht ganz verstehen. Die schauspielerische Leistung, auch von Anderson, lässt darauf schließen, dass es auch lustig sein könnte.
Bin gespannt auf noch mehr und detaillierte Konzerteindrücke.

PS
Heute nicht das Black Friday Release von Tull verpassen.
https://goo.gl/photos/pgVGazuyK1nZZF1UA
Zuletzt geändert von Beasty am Fr Nov 25, 2016 2:21 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: The Rock Opera

Beitrag von Whistling Catfish » Fr Nov 25, 2016 12:03 pm

Beasty hat geschrieben: Was den fehlenden Humor betrifft, so denke ich ist vieles auch „Lost in Translation“.
Nee! Ich glaube nicht! Man kann die Kostüme vielleicht lustig finden, das Gesagte / Gesungene (zumindest inhaltlich :lol: ) nicht. ;)
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Dietmar
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Re: Jethro Tull-The Rock Opera

Beitrag von Dietmar » Fr Nov 25, 2016 12:11 pm

Mir hat die Show in Lingen lediglich bei "Requiem" ein Schmunzeln abringen können, das ja von Anderson gesungen wurde, aber zwischendrin meldete sich dann immer mal die Dame von der Leinwand zu Wort und Anderson verdrehte jedesmal die Augen nach dem Motto: "Muß die Alte mir jetzt schon wieder dazwischen singen..." :D Das war nice, aber leider auch der einzige "Gag", der sich mir in den zwei Stunden erschlossen hat. Waren halt in der Vergangenheit oftmals diese Kleinigkeiten, die den rein musikalischen Vortrag dann noch deutlich aufgewertet haben. Das hat diesmal leider auch gefehlt.

Ansonsten wurde hier schon ziemlich viel "Richtiges" zu der Tour gesagt, bin selber überrascht, wie viel "Konsens" hier inzwischen herrscht. Andererseits schön, daß überhaupt mal wieder drüber geredet wird und man nicht alles einfach "stillschweigend" über sich ergehen läßt. Zeigt dann eben doch, wie viele da immer noch - und trotz aller "Widrigkeiten" - mit dem Herzen dabei sind. Auch das kann man ja mal als positive Erkenntnis hier mitnehmen.... :)

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