Wucan: Black Sabbath meets Jethro Tull? You think so??

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Marengo
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Wucan: Black Sabbath meets Jethro Tull? You think so??

Beitrag von Marengo » Di Aug 15, 2017 5:21 pm

Der WDR schrieb zum Rockpalast-Mitschnitt von Wucan

https://www.youtube.com/watch?v=Iyfi9_ubC7k

„Wucan gründeten sich 2012 in Dresden. Ihr eigener Stil lässt Platz für Jam-Rock- Passagen, Querflöten-Parts und Metal-Gitarren-Riffs. Vor allem die charakteristische Stimme von Sängerin Francis Tobolsky, die auch vor Emotionalität und Melancholie nicht zurückschreckt, sticht heraus. Die komplette Palette von 70s Folk-Rock bis hin zu klassischem Hard Rock im Hier und Jetzt - eine Zeitreise mit Rückfahrschein.“

Die Headline einer Konzertkritik des Giessener Anzeigers lautet: „Black Sabbath trifft Jethro Tull“. Das Göttinger Tageblatt schrieb dereinst im Jahre 2015: „ Sobald der Name Wucan fällt, wird im selben Atemzug auch beinahe zwangsläufig Jethro Tull mit erwähnt. Ja, es gibt schwer an den 1970er-Jahren angelehnten Rocksound, wenn die Band aus Dresden in der Nähe ist. Und ja, der klingt auch manchmal nach Jethro Tull. Doch der Pauschalvergleich funktioniert nicht.“

Ich mache diesen Faden einmal auf, weil in den Medien viele Vergleiche u.a. mit Jethro Tull gezogen werden, so dass man sich hierüber in diesem Forum einmal austauschen könnte. Ich habe Wucan letzten Freitag in Dortmund auf dem Scrapyard Open Air Warm-up gesehen. Liebe Wucans, falls ihr dies lesen solltet, nochmals vielen lieben Dank für die Filmerlaubnis. Der Gig fand in der Tat in der Halle eines Schrottplatzes statt, war voller technischer Probleme, mit einem Schrott(platz)sound und dennoch…faszinierend. Um’s vorwegzunehmen: M.E. stand dort nicht Jethro Tull mit Sängerin, oder Focus, oder Free, oder, oder, oder auf der Bühne, sondern einzig und allein Wucan. Dabei verkenne ich nicht, dass der Mensch Vergleiche braucht, um sich zu orientieren. Bis zu einem gewissen Grad halte ich es auch für legitim, auch im Bereich der Kunst/Musik zu vergleichen. Also versuch ich’s einmal.

Musikalisch/kompositorisch sind mir keine tiefergründigen Parallelen zu Tull aufgefal- len. Klar, die Flöte, die Francis auch in technischer Hinsicht spielt wie Ian Anderson ca. 1971. Aber jede Band, die in der Rockmusik heftigst die Querflöte einsetzt, und das tut Wucan, ruft diese Art von Erinnerungen hervor. Dazu ist Ian Anderson einfach „the flute in rock music“ und damit eine Überfigur. Wucans Musik selbst ist völlig anders, teils härter, flächendeckend auch wesentlich simpler als die Mucke von Tull, was ich gar nicht einmal despektierlich meine. Mehr Rock, weniger Prog. Oft liegt in der Einfachheit auch eine emotionale Klarheit. Was mich besonders berührt hat, waren die dynamischen Ähnlichkeiten sowohl in der Musik im Sinne einer Abstufung von Lautstärke als auch in der Bühnenpersönlichkeit von Francis. Wucan schöpfen den maximalen Dynamikumfang eines Rockkonzerts voll aus, und das macht die Musik lebendig. Und Francis lebt das auf der Bühne aus. Von zart bis hart, von melancholisch bis explosiv einschließlich der entsprechenden Bewegungsabläufe. Schaut euch die Tull-DVD von der Isle of Wight 1970 an, das trifft es ganz gut. Schön over the top…

So, genug verglichen. Wucan haben sicher die unterschiedlichsten Wurzeln und Einflüsse, spielen aber dennoch ihre eigene Musik, sofern man das heutzutage überhaupt noch kann. Das Ganze ist keine sklavische Kopie im Sinne eines abgekupferten Retro- Rocks, sondern in meinen Augen und Ohren recht eigenständig. Und es ist toll anzusehen, wenn eine attraktive zierliche Sängerin mit langen blonden Haaren bis auf den Arsch… ähem, hüftlang meinte ich, die Querflöte schwingt und geradezu explodiert. Well done. Ich habe, um auf die Vergleiche zurückzukommen, öfters gehört und gelesen, dass Francis nicht gerade die tollste Stimme habe. Was ist das bitte schön, eine tolle Stimme? Ihre gesanglichen Möglichkeiten sind –wie im Übrigen bei dem 70ies Ian Anderson auch- limitiert, vor allem was das Volumen anbelangt, aber das bringt sie m.E. ganz gut in den Kontext ein. Kurzum: Wucan sollte man sich anschauen, nicht mit Rastern im Kopf oder hinkenden Vergleichen, sondern ohne Vor-Urteile, um einfach eine hochdynamische Show zu erleben, die musikalisch und optisch gleichermaßen ansprechend ist. Nicht nur, aber sicher auch für Tull-Fans eine interessante Option. Stücke über 20 Minuten, epische Flötenpassagen, Theremin, krachende Gitarren, da müsste doch der eine oder andere zu sabbern anfangen. Ende September gibt’s eine neue Do-LP namens Reap the Storm und reichlich Gelegenheit, die Band live zu erleben. Ich werde mir sicher das eine oder andere Konzert anschauen. Alle Daten ohne Gewähr.

WUCAN LIVE 2017

19.08.2017 - DE Groß Lindow, Open Air Groß Lindow
01.09.2017 - DE Oldenburg, Stadtfest Oldenburg
02.09.2017 - DE Oldenburg, Stadtfest Oldenburg
07.09.2017 - DE Bochum, Zeche
14.09.2017 - DE Püchersreuth, Stormcrusher Festival
21.09.2017 - DE Hannover, Mephisto
22.09.2017 - DE Hamburg, Reeperbahn Festival
23.09.2017 - DE Dresden, Scheune
05.10.2017 - AT Wien, Das Bach
19.10.2017 - DE Frankfurt/Main, Das Bett
20.10.2017 - DE Ulm, Roxy
26.10.2017 - DE Kiel, Schaubude
27.10.2017 - DE Osnabrück, Dirty + Dancing
28.10.2017 - DE Münster, Jovel
02.11.2017 - DE München, Backstage
04.11.2017 - CH Chur, Palazzo Beat Club
16.11.2017 - DE Fulda, Kulturkeller
17.11.2017 - DE Leipzig, Moritzbastei

See you there, yours truly

Marengo

Kwyjibo
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Re: Wucan: Black Sabbath meets Jethro Tull? You think so??

Beitrag von Kwyjibo » Mi Aug 16, 2017 11:58 am

Auf die Band bin ich letztes Jahr aufmerksam geworden und habe mir auch das Debütalbum zugelegt. Würde sie im Fahrbecken der nach 70er Jahre klingenden Retro-Rock Gruppen einordnen, von denen es zahlreiche gibt. Durch die Flöte gibt es mir den Extra Kick auch dabei zu bleiben.

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