mart hat geschrieben:Tatsächlich bin ich auch der Meinung, das dieses Konzert nicht gerade repräsentativ für Tull war.
Nicht? Mehr so repräsentativ für Alice Cooper vielleicht? Für mich sind DAS Jethro Tull schlechthin. Für die alten Säcke ist es die WarChild Tour, für mich die Konzerte von 1977 bis 1981, also inklusive –A–.
mart hat geschrieben:Genaugenommen meint man hier schon den grossen Split von 1980 zu erahnen.
Hinterher ist man immer schlauer. Aber, ehrlich und mit Verlaub gesagt, halte ich diese Interpretation für sehr gewagt und nah am Blödsinn. Ich empfehle die BBC Doku von 1979, die nach dem MSG Konzert entstand.
mart hat geschrieben:Alles wirkt schablonenhaft, genau wie Ians Gestik. Fast wie eine Parodie.
Sehr gut beobachtet: IA’s Bühnengestik besteht (und bestand, leider, leider bestand) zu einem guten Teil aus Parodie. Ich werde mich jetzt nicht auf die Suche nach den entsprechenden Interviews machen, in denen er auf seine Gestik angesprochen wurde, aber es gibt sie. Kleiner Hinweis: irgendwo zwischen Karajan und Nurejew.
mart hat geschrieben:
Auch musikalisch haut es mich nicht um. Martins E-Gitarre mal wieder viel zu dünn zurückgemischt. Normalerweise müsste das Intro zu "No Lullaby" die Boxen zum Beben bringen - und hier? Und wo ist das Echo das für ein Hallenkonzert dazugehört ? (Na gut, das ist Geschmackssache).
Was Du offenbar möchtest, ist nicht ein neu abgemischtes Konzert von Anno Krug, sondern ein Bootleg. Da empfehle ich doch das 78er Konzert aus der Deutschlandhalle Berlin, das hat ordentlich Hall – Echo meinst Du nicht, o meinst Du nicht, einst Du nicht, st Du nicht, Du nicht, u nicht, nicht, icht, t -, da glaubt man sich in der Kirche, und Martins Gitarre brezelt auch ziemlich. Da es aber eine Gitarre ist, und eben keine Bassgitarre, war es mit dem Boxenbeben eher weniger. Ich war übrigens da. Damals. In Berlin. West. Nicht in New York.
mart hat geschrieben:
Einzig interessant: Das Intro und das Instrumental nach Locomotive Breath.
Insgesamt wäre eine professionelle Bearbeitung z.B. der "Tullavision" Aufnahme 1000-mal besser und auch repräsentativer gewesen - aber auf sowas darf man ja nicht mehr hoffen!
Einen blau-gelb-roten Plastikanzug auf einer Tour irgendwo im Nirwana zwischen Too Old und Songs nennst Du repräsentativ? Und dann gleich 1000 Mal repräsentativer? Der Mann trägt ja nicht mal einen vernünftigen Zottelbart. So wird das nichts mit dem Rumpelstilzchen of Rock.
Pfeifender Wels hat geschrieben:
Ich muss für mich festhalten, daß ich nach dem ganzen "praise" der "Alten" hier im Board doch relativ "enttäuscht begeistert" bin. Denn JT 1978 waren allenfalls anders als JT 2009 - vor allem 30 Jahre jünger..ähem.. aber um soviel besser wie hier immer alle tun, nun auch wieder nicht.
Mit dem “anders“ hast Du natürlich recht. Und es wird Dir niemand widersprechen, wenn Du sagst, dass die beiden verbliebenen Herren ihre Instrumente 30 Jahre später besser beherrschen – wäre ja geradezu skandalös, wenn nicht.
Aber wenn ich an Tull denke, dann denke ich eben nicht an schlanke Arrangements und makelloses Geflöte, sondern an eine kleine, ziemlich harte Rockband, die mit den technischen Möglichkeiten ihrer Zeit innerhalb von nicht einmal 5 Jahren aus einer kleinen, mehr oder weniger unbedeutenden Bluesband zu einer Stadien füllenden Supergroup anwuchsen und mich bestens unterhielten, warts and all.
Wer lieber das sorgsam arrangierte, nicht zu laute Kammerkonzert der letzten 15 Jahre schätzt, der wird mit dieser DVD nicht viel anfangen können – da sind Tull schlicht und einfach zu “anders“ (Gott sei Dank aber noch nicht Thomas).
Pfeifender Wels hat geschrieben:
Nichts desto trotz, hat diese DVD natürlich etwas zu bieten - aber ich kann nicht sagen das Tull '78 jetzt um Welten besser waren als sie es heute noch sind. Und wer Heavy Horses im Gewand von 1978 (minus the vocals of course) hören möchte, sollte ggf. eine der Shows mit Mark Mondesir und Florian O. besuchen...
Wie oben bereits bemerkt: sie waren nicht um Welten “besser“, aber definitiv in anderen Welten (und John Evans sowieso – steht im Booklet) und nein, ich komme zur Zeit ganz gut ohne eine Heavy Horses Cover Version einer Ian Anderson Tull Tribute Band aus. Die sind musikalisch bestimmt ganz toll, ohne Frage, aber es ist eben ETWAS ANDERES und nicht Jethro Tull.
Pfeifender Wels hat geschrieben:
Doch um auf das Release zurückzukommen, ich hätte da eine Frage an die Alten: Habt Ihr Euch damals eigentlich auch schon so darüber beschwert, daß kaum neues Material gespielt wurde? Für mich hört sich die Setlist des Jahres 1978 auch schon nach einer "Best Of Tour" an...
Erstmal verbitte ich mir diesen Ton: an die Alten. Pfffh. Wo kommwa denn da hin? Und zweitens: nein, ich habe mich nicht beschwert, weil es auch keine Best of Tour war. Bitte bedenkt, dass es die Band gerade einmal 10 Jahre gab (ich rechne die 1967er Bluesformation jetzt mal nicht mit) und wir die “Hits“ noch hören wollten. Ich weiß, dass ich 1978 enttäuscht darüber war, dass “To Cry You A Song“ nicht mehr gespielt wurde – dafür gab es aber “Sweet Dream“ als Entschädigung.
Pfeifender Wels hat geschrieben:
Ich mein' 2 Songs von einem wirklich bahnbrechenden Album ist ja nicht gerade viel, oder?
Ist es die späte Stunde oder gar das Alter? Oder haben wir es insgesamt nicht so mit den Zahlen? “No Lullaby“, “One Brown Mouse“ und “Heavy Horses“ machen mindestens zweieinhalb Songs, wenn nicht 4, weil “Heavy Horses“ so lang ist.
Und wenn Du Dir vielleicht den ollen Tonträger “Heavy Horses“ noch mal in Gänze gibst, wirst Du schnell feststellen, dass fast alle Nummern in ihren trickreichen Arrangements so gut wie unmöglich live zu spielen sind.
Dafür gab’s dann Stormwatch satt.
Abschließend möchte ich noch ein bisschen über die liebloses und ziemliche doofe Man- und Frauschaft bei EMI mosern. Das Begleitheftchen zur DVD ist eine Frechheit bei dem Preis der DVD. Die haben es ja nicht einmal für nötig gehalten, eine korrekte Auflistung der gespielten Stücke dort hinein zu schreiben. Sicherlich ist es nur ein klitzekleines Bisschen “Pibroch“, aber immerhin.
Ferner hat mir EMI auch noch eine Email geschickt – nicht, weil wir auf Du und Du sind und sie meine geschätzte Meinung hören wollten, sondern weil ich irgendwann mal auf irgendeiner Mailing Liste für Classic Rock gelandet bin. In dieser Email inklusive Werbung für die DVD wird als Konzertdatum der 14. Oktober 1978 angegeben. Es kann doch nicht so schwer sein, das korrekte Datum zu recherchieren. Ministry of Information hätte wohl schon gereicht.
KH