„The Spirit Never Dies“ ist das dritte posthume Album des 1998 bei einem „mysteriösen“ Autounfall ums Leben gekommen Popstars extraordinaire aus Österreich. (Wenn wir die gelungene symphonische Aufbereitung von „Falco Symphonic“ hinzuzählen sogar das Vierte). Die Aufnahmen zu diesen „Perlen“ fanden während der Sessions zu Falco’s 1988 Album „Wiener Blut“ statt – also in der Phase, die Falco später selbst als „lauwoam“ bezeichnet hat. Und in der Tat war das seinerzeit u. a. im M & B Studio unter der Regie von Günter Mende aufgenommene Material derart lauwarm, daß die Teldec (Falco’s damalige Plattenfirma) beim ersten Hören (zurecht) nicht gerade aus der Hose gehüpft sind.
Und in diesen M & T Studios hat man jetzt angeblich nach einem Rohrbruch einige (16) Masterbänder mit unveröffentlichtem Material des Herrn Hoelzel gefunden. Leider (oder Gott-sei-Dank?) waren nur noch 5 davon brauchbar – u. a. auch der niemals veröffentlichte, dritte Teil der Jeanny Trilogie!! (Falco sprach zu Lebzeiten in der Tat immer von einer Trilogie). Dieser „Sensationsfund“ hatte im Laufe der Zeit (und ggf. auch durch das Wasser…LOL) allerdings stark gelitten, sodaß man dieses Material zum „Aufbacken“ (literally) in die USA schickte und nunmehr zu diesem „sensationellen“ Album, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, verwursten konnte. Und ich kann nur sagen, Johann „Falco“ Hölzel tut mir aufrichtig leid. Zum einen weil er tot ist und zum anderen weil Warner und seine Nachlassverwalter (und hier in erster Linie Produzent und Autor Günter Mende) diesen Quatsch auch noch unbedingt veröffentlichen wollten. Und dabei finde ich die Veröffentlichung des Materials gar nicht mal so schlimm (zumal einige der Tracks besser sind als manche Mende Nummer die es seinerzeit auf „Wiener Blut“ geschafft hat…LOL), sondern viel schlimmer finde ich, wie der geneigte Fan hier verarscht wird. Zum einen wird „The Spirit Never Dies“ vermarktet als wären darauf tatsächlich acht (8) ungehörte Songs des Falken. Das ist schlicht gelogen! Denn sowohl „Poison“ als auch „Que Pasa Hombre“ waren bereits auf der zweiten Leichenfledderei „Verdammt Wir Leben Noch“ in etwas anderer Form zu hören. Daneben gibt es den dritten Teil der Jeanny Saga und Titeltrack „The Spirit Never Dies“ merkwürdigerweise gleich zweimal (2x) auf dieser Platte. Darüberhinaus wurde um die Anzahl der Tracks künstlich auf die zwölf (12) Nummern zu hieven, daß Intro zu dem ansonsten recht ordentlichen „Nuevo Africano“ einfach mit „Return To Forever“ benannt und als eigenständiger Song „getagged“. Hey Ho – die Marketingstrategen der Musikindustrie sind clever, was?
Naja, was solls, was gibt’s denn musikalisch? Out Of The Sarg; Into The Light?
Der Opener “Nuevo Africano” ist in der Tat nicht schlecht. Nett rumpelnde aber, nicht wirklich packende Falco Kost. Sein Gesang ist in der Tat richtig gut auf dieser Nummer, allerdings haben hier die Bänder offensichtlich stark gelitten und so klingt es auch.
Danach dann „Jeanny“. Jepp….DAS „Jeanny“! Klaro, ein Klassiker – aber JEDER kennt ihn, oder? Als drittes dann „Coming Home (Jeanny Part II). Jepp….DAS „Coming Home“. Die selbe dümmliche Schnulze die schon 1986 auf “Emotional” war. Und jeder, der diese Nummern kennt, weiss daß hier schon ein steiler Qualitätsverfall zu verzeichnen war. Aber ok, denn jetzt soll er ja kommen, der legendäre dritte Teil dieser kleinen, schmutzigen Sex & Crime Geschichte. „The Spirit Never Dies“ – der Aufhänger der ganzen Marketingstrategie……..wow, bin ich gepannt!
Nun…..es ist…noch’ne Schnulze! Und was für eine! Ich habe Tage gebraucht um die Fettflecken wieder aus dem Teppich zu bekommen…LOL. Nee, ernsthaft, es ist natürlich eine ziemliche Schnulze, aber nett. Eine nette Schnulze! Ähhhhh….ja!
Das folgende „Que Pasa Hombre“ gab’s ja schon in dieser Salsa Version auf „Verdammt Wir Leben Noch“ und die „heurige“ Funk-Version ist auch nicht besser.
Selbiges gilt für das ziemlich schwache „Poison“ – wobei hier die Unterschiede noch marginaler ausfallen.
„Sweet Symphony“ kannte man bisher noch nicht – hat es aber auch nicht vermisst. Puh…..
Das folgende „Kissing In The Kremlin“ ist Falco „on cruise control“ – solide Falco Kost und seinerzeit definitiv dazu erdacht nicht alle Fans zu erschrecken….klarer Fall von Hamsterradsyndrom nach 3 Megaerfolgreichen Platten. Hat allerdings nicht annähernd den Charme der großen Hits (oder der späteren, offiziellen „Oddities“).
Aber immerhin waren „Sweet Symphony“ und „Kissing In The Kremlin“ unveröffentlicht und somit „neu“!
Der nächste Song „Dada Love“ ist auch „neu“! Allerdings kann ich mich des Verdachtes nicht erwähren, daß hier schlicht Falco Sprach- und Scream Samples geschickt in eine Dub-Nummer verpackt wurden und es sich hierbei nicht um einen Song als solchen handelt. Merkwürdigerweise muss ich für mich feststellen, daß „Dada Love“ für mich den meisten Charme bereithält und ich deswegen überhaupt nicht ärgerlich über die Veröffentlichung bin. Das allerdings als einen unveröffentlichten Song des Falken zu verkaufen ist in meinen Augen Etikettenschwindel. Ein XXX feat. Falco wäre hier ehrlicher gewesen und es hätte mir den Spaß an dieser Nonsens-Nummer nicht genommen.
Kommen wir also zu Track 11 der 12 neuen Nummern…und der heisst: THE SPIRIT NEVER DIES …. A – BLOODY – GAIN! In einem etwas sympathischerem (weil nicht ganz so opulenten) Mix. Gefällt mir besser und ich denke, daß dies auch die ursprüngliche Schmalz-Light Version war! Nett!
Und Nummer 12? Haha…hier waren die Herren Produzenten und Marketingstrategen konsequent…denn man hat eine schön schmalzige und symphonische Outro an „The Spirit Never Dies“ gehängt und als eigentständigen Track „getagged“. Puhhhhhhhhhhhhhh…….
Ich habe noch immer großen Respekt für DEN deutschsprachigen Popstar aller Zeiten, aber die Art und Weise wie dieses Album derzeit mit großen Marketingaufwand im Weihnachtsgeschäft platziert wird ist eine Frechheit! Sollte sich jemand von Euch aufgrund dieser medialen Omnipräsenz aufgefordert fühlen ein erste Falco Album zu kaufen, so tut das bitte gerne. Aber greift bitte nicht hier zu, sondern entscheidet Euch für eine der zahlreichen Compilations oder eines der genialen Frühwerke wie „Einzelhaft“, „Junge Römer“ oder eines der späteren, besseren Werke wie „Data De Groove“ oder „Nachtflug“.
Der „Spirit“ wird sicherlich so bald nicht sterben, auch wenn einige mit derartigen Veröffentlichungen krampfhaft versuchen ihn totzukriegen.
Ich weiss, das dies hier womöglich niemanden interessiert, aber ich wollte es einfach mal irgendjemandem gesagt haben…….
Und jetzt back to ZZ Top....
Viele Grüße,
J.