With you there to help
me ...
Concert review Jethro Tull „live" in Blackburn
22nd November 1996 * King Georges Hall
von Dietmar Müller
Damit nicht gleich ein falscher Eindruck
von meiner finanziellen Situation entsteht ... ich hatte NICHT die Möglichkeit,
mir vor der U.K. Convention auch noch ein Konzert der England-Tournee anzusehen!
Anscheinend war keiner der BEGGAR'S FARMER dort und daher hatte ich Harald
vorgeschlagen, eine Live-Kritik meines Freundes Andy Lea aus Leyland ins
Deutsche zu übersetzen und dieser Ausgabe beizufügen.
Mit Andy verbindet mich eine lange Brieffreundschaft;
wir „bombardieren" uns gegenseitig Päckchen (Tapes, Videos etc.) und
erzählen uns die neusten Halbwahrheiten aus der Tull-Szene. Seine
Frau Jeanette ist Herausgeberin des Queen-Fanzines „The Days Of Our Lives",
zu dem Andy sämtliche (!) Bilder selbst erstellt. Leider konnten die
beiden nicht nach Gravesend kommen, so daß wir ein persönliches
Kennenlernen erstmal vertagen mußten ... Anyway, hier nun ein paar
Eindrücke von dem, was uns entgangen ist...
REVIEW BY ANDY LEA
... als Dietmar mich um diese Konzert-Kritik
für BEGGAR'S FARM NEWS gebeten hatte, betonte er ausdrücklich,
ich solle neben den Highlights auch mögliche Flops erwähnen -
ich hoffe, dies ist mir in den nachfolgenden Zeilen gelungen. Das eröffnet
mir die Möglichkeit, all unseren deutschen Freunden zu berichten,
wie Tull eine kalte, frostige Novembernacht in eine der heißesten
Nächte verwandelten, die meine Frau Jeanette und ich seit langem erlebt
haben [das läßt ja tief blicken, Andy...]. Blackburn ist rund
45 Kilometer von uns in Leyland (bei Preston) entfernt und wir haben an
diesem Abend den Zug genommen, so daß wir ca. eine Stunde vor Konzertbeginn
dort eingetroffen sind.
Der erste Weg führte uns in die noch
fast leere Bar - was sich aber schnell ändern sollte! Nach und nach
strömten Leute herein, bis die Bar dann fast „auseinanderbrach". Die
meisten Fans waren gleich an ihren Tull-Tour-Shirts zu erkennen (ich hab'
sogar einen Typen mit einem „Passion Play"-Shirt gesehen und wurde ganz
grün vor Neid...). Gegen 19.30 Uhr haben wir uns dann auf unsere Plätze
begeben. Da ich manchmal etwas schusselig bin und in letzter Zeit auch
noch mehr als üblich arbeiten mußte, bin ich erst eine Woche
vor dem Konzert dazu gekommen, Tickets zu organisieren! Am Ende waren wir
froh, überhaupt welche ergattert zu haben, denn genau an dem Tag war
das Konzert dann auch ausverkauft [Schwein gehabt, würde ich sagen...].
Unsere Plätze waren ganz rechts hinten, was aber nicht weiter ärgerlich
war, denn bei einem Fassungsvermögen von 800 Leuten hatte eigentlich
jeder einen guten Blick auf die Bühne.
Die Bühne-Deko bestand aus zwei Parkbänken.
Waren sie wieder für die Fans bestimmt, wie auf der „25th Anniversary"-Tour?
Oder waren sie vielleicht sogar für Ian? Viel Zeit blieb nicht, um
weiter darüber nachzudenken - das Saallicht ging aus und früher
oder später würden wir den Grund schon mitbekommen. Aus dem Dunkel
heraus erklangen die ersten Töne von „In A Stone Circle", von Ians
Soloalbum „Divinities". Zum Ende des Intros wurde das „Roots To Branches"-Logo
im Dunkel sichtbar und wenig später begann Ian mit den Zeilen „Sitting
on a park bench...". Die Light-Show flammte auf und es gab zum Auftakt
den Klassiker „Aqualung"!
Dietmar bat mich zwar, Euch über
die Tops UND Flops des Abends zu berichten, aber für mich war dieses
Konzert insgesamt ein einziger Höhepunkt - eines der besten Tull-Konzerte,
daß ich je gesehen habe [sprich eines der besten Tull-Konzerte, daß
ich nicht gesehen habe...]. Ians Stimme kam klar und deutlich rüber,
ohne die bekannten Probleme der vergangenen Jahre. Die gesamte Band war
in Topform, they were really cookin! [was nicht bedeutet, daß auf
der Bühne gekocht wurde...] Nach „Thick As A Brick" ging es nahtlos
mit „Dangerous Veils" weiter. „In The Grip Of Stronger Stuff" kam anschließend
und es folgte „Beside Myself". Dann sagte Ian, wir sollten doch mal Martin
begrüßen, ihn dabei aber möglichst nicht an seinen Geburtstag
erinnern... Ian verließ die Bühne und Martin spielte „Misere"
von der „The Meeting"-CD. I can only describe it as stunning and as it
should be loud - BRILLIANT! [in dieser Passage verließen mich leider
meine Englischkenntnisse, aber es war wohl ganz ordentlich...]. Anschließend
kam Ian zurück und es gab „One Bown Mouse". Das Stimmungsbarometer
stieg weiter an, als die Band das „Songs From The Wood"-Medley präsentierte.
Am Ende von „Bouree" meinte der Typ, der neben mir saß, das Konzert
sei einfach f***ing brilliant!!! [was auf deutsch soviel heißt wie
f***ing brillant!!!]. Zum Abschluß der ersten Hälfte kam eine
wunderbare Fassung von „Bungle in The Jungle", zuvor teilte Ian uns jedoch
mit, daß es in der zweiten Hälfte der Show einige akustische
und einige wirklich, richtig laute Stücke zu hören geben werde.
Teil 2 begann mit „Life's A Long Song",
bei dem Ian es sich zunächst mal auf einer der Parkbänke bequem
gemacht hatte. Es folgte „Mother Goose" mit Andy Giddings am Schifferklavier
(laut Ian: „the instrument from hell"). „Up The Pool" folgte und es kam
so gut ... ich kann Euch gar nicht sagen wie - einfach super! Mit „Jack-In-The-Green"
neigte sich der akustische Teil langsam dem Ende entgegen. Das Set wurde
fortgesetzt mit „We Used To Know", bei dem es diesmal Martins komplettes
Solo zu hören gab und nicht eine gekürzte Fassung wie vor einem
Jahr. Nach „In The Times Of India" gab es eine krachende Version von „Nothing
Is Easy", bevor Andy Giddings ein Soloauftritt am Keyboard eingeräumt
wurde - und auch der war ziemlich genial! Anschließend machte Ian
es sich wieder auf einer seiner Parkbänke gemütlich und die Band
verwöhnte uns mit „My God" und „Hunting Girl".
Als das bekannte Klavier-Intro zu „Locomotive
Breath" erklang, wurde deutlich, daß sich die Show langsam ihrem
Ende zuneigen würde. Zum Schluß gab es stehende Ovationen und
alle klatschten und schrien nach einer Zugabe - und wir wurden nicht enttäuscht!
Nach einer kurzen Instrumentalsequenz von „Aqualung" schrie Ian mit hoher
Stimme „Maaaryyy...." [genauer gesagt schrie Andy Giddings' Zauberkasten
Maaaryyy...]. Während „Cross-Eyed Mary" erklang, wußten wir,
daß dies nun wirklich das unweigerliche Ende dieses wunderbaren Abends
bedeuten würde. Nach der Ballonnummer „Dogs In The Midwinter"/"Seal
Driver" blieb uns am Ende von „Thick As A Brick (reprise)" nur noch die
Möglichkeit, mit dem letzten Ausschrei („...Briiick!") die Halle abzureißen
- was uns auch fast gelungen wäre!
Die Parkbänke waren diesmal also
für Ian bestimmt. Das war auch ganz gut so, denn am Ende der Show
sah er wirklich reichlich müde und „geschafft" aus. Dennoch hatte
die gesamte Band uns einen wunderschönen Abend bereitet - sie waren
wirklich ABSOLUT BRILLANT! Ein Konzert, an das ich mich noch lange gern
zurückerinnern werde...
Vielen Dank an Andy, daß er Euch
und mir ein paar Impressionen von der Tour vermittelt hat. Mittlerweile
habe ich auch ein Video von dieser Tour erstanden (Ihr wißt ja, an
wen Ihr Euch wenden könnt...), und was soll ich sagen ... in diesem
Fall dürfen wir uns alle kollektiv einen Karton über den Kopf
stülpen - als Ausdruck der Schande, daß wir nicht dabei waren!
Bisher waren die 90er U.K. Tour und die „Light & Dark Tour" 1992 (Amerika)
zwei der besten Tourneen, die ich NICHT gesehen habe. Was die fünf
aber jetzt in England vom Stapel gelassen haben, kann ich nur mit einer
„jetzt erst recht"-Einstellung nach Ians fortschreitender Genesung erklären.
Es war nicht nur die tolle Set-List, nicht nur der sprühende Witz
... nein, nach dem, was ich aus der Ferne beurteilen kann, war die Band
auf der Bühne so kreativ wie seit langer, langer Zeit nicht mehr ...
Freuen wir uns also gemeinsam auf die „Summer Tour" und hoffen, daß
Tull den Spielwitz vom November '96 bis dahin konservieren können...