Es war einmal ein tapferes Fanlein. Das
war ganz versessen in eine Gruppe gestandener "älterer" englischer
Spielmänner, die sich nach einem noch älteren Erfinder und Gelegenheitsschriftsteller
benannt hatten. Seit ein paar Jahren jedoch machten diese Spielleute unserem
Fanlein nicht mehr so richtig Freude. Gut, sie zogen kreuz und quer durchs
Land und spielten an Orten im Reich, von denen kaum ein Mensch vorher gehört
hatte, aber neue Songs wollten und wollten sie einfach nicht schreiben.
Das machte unser Fanlein traurig, hatte es doch so tapfer jeden überzähligen
Taler zur Seite gelegt und sehnsüchtig auf den Tag gewartet, an dem
er mit glänzenden Augen endlich etwas Neues in Händen halten
konnte. Und sein Wehklagen und Gejammer wurden immer lauter...
Dies hörten in einer fernen Stadt
die eiligen drei Könige E, M und I (OK, das ist ja eigentlich eine
andere Geschichte, aber schließlich ist bald Weihnachten...). Eilig,
wie es ihnen ihr Name gebot, steckten sie ihre Köpfe zusammen und
beschlossen: Dem armen Fanlein kann geholfen werden! Die überzähligen
Taler sollten nicht länger ungenutzt in irgendeinem Beutel herumschimmeln,
sondern lieber das Säckel ihres "Königreiches" füllen. Und
da sich der "Ober"-Spielmann immer noch weigerte, neue Melodien zu komponieren,
gaben E, M und I ihrem Hofstaat den Auftrag "olle" Kamellen neu zusammenzustellen
und dem wartenden Volke darzubieten. Aber zu viel kosten dürfe das
Feilbieten nicht. Der fleißige Hofstaat tat wie ihm befohlen: Da
paßte es, daß einige der bekanntesten Oden der Spielmänner
genau vor einem Vierteljahrhundert erstmalig an das Ohr unseres Fanlein
gedrungen waren und das Königreich der eiligen drei Könige zudem
seit 100 Jahren bestand.
Und so kam es, daß unser tapferes
Fanlein plötzlich schier erschlagen wurde von der Fülle neuer
"alter" Melodien, die bald darauf überall im Land - naja fast überall
im Land, OK in einigen Gegenden auch gar nicht - dargeboten wurden. Sie
hießen "A Collection" (von einem befreundeten Königreich namens
"Disky" auf den Markt gepfeffert) und "Through The Years" (beides weniger
"Best Of" sondern eher "The Rest Of"-Alben), "The Originals" (die drei
ersten Werke der Spielmänner "This Was", "Benefit" und "Stand Up"
in einer kleinen Box) und "Thick As A Brick" (ergänzt um eine Live-Version
des Stückes und "ausgewählter Worte" des "Ober"-Spielmanns sowie
eines treu ergebenen und eines weniger treu ergebenen Weggefährten).
Oh, das Herz unseres Fanlein hüpfte vor Freude. Endlich konnte er
seine mühsam gesparten Taler loswerden.
Die wundersame Kunde von Talern, die anscheinend
gerne von einem Ort zum anderen wandern wollten, erreichte auch zwei kleine
Fürstentümer in einem ziemlich fernen Land. Was E, M und I können,
dachten sich die Häuptlinge dieser Kleinstaaten, daß können
wir schon lange. Gesagt, getan: Sie nahmen sich ebenfalls alte Aufnahmen
vor, entfernten den Staub der (Viertel-) Jahrhunderte und beschichteten
die so geschaffenen neuen Werke mit einer dünnen Goldschicht: "Aqualung"
und "Living In The Past", so ließen sie unser tapferes Fanlein wissen,
seien jetzt noch schöner, noch besser noch klarer.
Und wieder wanderten die inzwischen schon
nicht mehr so reichlichen Taler aus einem Säckel ins nächste.
Doch damit nicht genug: Gerade als unser
Fanlein meinte, sich endlich mit seinen "6 Richtigen" in sein stilles Kämmerlein
zurückziehen zu können, erinnerte sich wieder ein anderes Königreich
daran, daß vor langen Jahren der "Ober"-Spielmann dereinst eine Solo-Ode
"An das Licht" geschrieben und publiziert hatte. Sie sagten :"Was den anderen
Recht ist, soll uns nur billig sein"! Und so kam es also nun, daß
"Walk Into Light" zum zweiten Male unserem Fanlein zum Kaufe angeboten
wurde. Und dem war inzwischen eh' schon alles egal. Er kratzte die Taler
aus Ecken hervor, wo eigentlich schon keine mehr sein konnten.
Und als er so eines Abends seine Neuerwerbungen
um sich geschart hatte, durchfuhr es ihn wie ein Blitz. Er griff sich seine,
seit Jahren den Spielmänner aus dem fernen England gewidmete Jacke
und schrieb, flink und beherzt in großen Lettern auf die Rückseite:
"Tull '97 - Sieben auf einen Streich!".
Sein Stolz kannte keine Grenzen, als er
durch die Straßen der Stadt zog. Die Bürger wichen in Ehrfurcht
(zumindest hielt er es für Ehrfurcht) zurück und tuschelten hinter
vorgehaltener Hand ob dieser dort zu lesenden Leistung.
Doch sein Glück währte nicht
lang und eines Tages passierte es. Unserem tapferen Fanlein stellte sich
ein Mann in den Weg. Mit breitem, höhnischem Grinsen wies er auf den
Spruch: "Nur Sieben?", lachte er unser Fanlein aus, " und was ist mit der
"Aqualung"-Remastered LP, der "Stand Up"-Remastered-LP, der "Thick As A
Brick" -Remastered LP, dem Album von John Carter und Martin Barre, der
Vikki Clayton CD auf der Martin Barre mitspielt..." und sein feistes, schadenfrohes
Lachen hallte noch lange durch die Straßen der Stadt unseres tapferen
Fanleins.
Und die Moral von der Geschichte: Wenn
der "Ober"-Spielmann nicht bald "in die Puschen" kommt, droht uns 1998
anläßlich des 30 jährigen Bestehens seiner Truppe wohl
noch einiges an neuem "alten" Zeug. Die ersten Gerüchte besagen jedenfalls,
daß in nicht allzu ferner Zeit........