2020 - The Prog Years Tour

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Moderator: King Heath

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Dietmar
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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Dietmar » Mo Jul 27, 2020 3:41 pm

Nightcap hat geschrieben:
Mo Jul 27, 2020 8:19 am
Eigentlich hätte der Mann ja jetzt Zeit für ein neues Album, oder? :wink:
Ich befürchte, der Mann ist so "busy" mit den ganzen Um- und Neuterminierungen, dass es es für solche "Nebensächlichkeiten" auch diesmal nicht reichen wird.... :mrgreen: :wink:

Jack Green
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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Jack Green » Di Jul 28, 2020 7:39 am

Er argumentiert ja immer, dass das mit neuem Album wegen Terminlichkeiten mit der Band organisatorisch nicht so leicht ist. Von mir aus dürfte er aber gerne ein Low Budget Solo-Album machen, ganz alleine. Anderson-Melodien, akustische Gitarre, Flöte...

Aber ihm machen andere Dinge vielleicht gerade mehr Freude, was ja völlig ok ist, wir haben ja schon viel von ihm bekommen.

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Motoreyes
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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Motoreyes » Di Nov 17, 2020 4:45 pm

Ich lese hier gerade viel nach meiner langen Forenabstinenz. Deshalb ein verspäteter Senf von mir.

Meine Enttäuschung ist nach den Jahren 2012 bis 2014 schon groß. Ich war damals wirklich guter Hoffnung, dass es, wenn auch offiziell auf Solopfaden, wieder kreativ bergauf geht. Zwei wirklich gute Alben, auf denen die Musik zwar rocktechnisch mit etwas angezogener Handbremse (zB nicht mehr ganz so druckvoll, längere und klarere Flötenpassagen, verzerrte Gitarre eher dezent) aber trotzdem songtechnisch gut komponiert und arrangiert und der schwindenden Stimme angepasst war. Ich hatte auch die Hoffnung, dass die Fans und sonstigen Zuhörer das honorieren würden. Die Kritiken, ob nun aus den Medien oder von Hörern (zB Amazon) ließen mich dies zumindest glauben.

Aber scheinbar gab es dann während oder nach der HE-Tour wohl einen wie auch immer gearteten Einbruch und Abbruch dieses Weges. Ich habe das nicht mehr detailiert weiter mitverfolgt. Ich kann nur mutmaßen, dass die Zuhörerschaft samt Fanschar wohl mindestens zwigespalten ist. Die Fraktion, die nur der alten Songs wegen zu den Gigs kommen, könnte überwiegt haben, schätze ich. Ich war dagegen immer dafür, Neues von Tull / IA zu hören. Das macht einen Künstler aus. Auch ist es durchaus interessant mitzuverfolgen, inwiefern sich die Künstler und die Musik verändern, auch aber nicht nur abhängig von der körperlichen, altersbedingten Verfasstheit. Ich konnte auch lange Zeit mit den Stimmproblemen leben, auch wenns schlimmer wurde. Solange eben das Songmaterial dem Rechnung trug.

Ich habe das bei einer anderen Band, die mich ähnlich lange als Musikfan begleitet, seit 2013 anders erlebt. Das ging natürlich auch nicht ohne Veränderungen, die nicht bei allen Anhängern überzeugen können. Kompositionen, Arrangements und die Musiker selbst haben sich nicht nur angepasst, sondern weiter entwickelt. Allerdings erst, als ein Produzent (Bob Ezrin) ihnen mal richtig in den Selbigen getreten hat. Die Rede ist von Deep Purple. Nach dem man sich knappe 7 Jahre lang (ok, im Vergleich zu IA ist das wenig :roll: ) ohne ein Album auf Best-Of-Touren abgeplagt hatte, auch hier der Sänger (Ian Gillan, mittlerweile 75) stimmlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr auf der Höhe war (allerdings nicht ganz so krass wie IA), erfand man sich - zwar nicht gänzlich aber fast - neu. Herausgekommen sind bislang aus meiner Sicht drei fantastische Spätwerke, die von Medien und einem Großteil der Fans gefeiert werden. Allerdings sagen die Fünfe, dass es ohne den notwendigen äußeren Einfluss vmtl. nicht so weit gekommen wäre. Das ist natürlich für den geneigten Fan, der nur Songs aus der Machine Head Ära akzeptiert, schwer zu akzeptieren. Aber das kennen wir ja bei JT auch.

Dies noch im Hinterkopf ließ mich dann eben so schwer enttäuschen, dass IA diese unsäglichen Best-Of-Touren wieder mal und auch noch in der Vielfalt bis zum Exzess betrieben aufnimmt. Die ganze Quälerei der Selbst- und (zT) Fankasteiung nahm seine Fortsetzung in drei bis vier Varianten von Tourkategorien. Schlimmer gehts mE nicht mehr. Es wurde im Forum schonmal angemerkt, er gab und gibt wohl dem Geschäft den Vorrang. Allerdings mit dem Risiko der künstlerischen Selbstzerstörung. Bislang scheint das wohl auch noch zu funktionieren, da er vmtl. noch das Maximale an Profit herauspressen möchte, solange es noch irgendwie geht. Dazu kommt noch der ganze Heckmeck mit der Namensführung und der daraus folgenden Irritierung und Inkonsequenz.

Ich bin aber davon überzeugt, dass es auch anders funktioniert hätte, wenn er den Weg der "Erneuerung", den er 2012 als Ian Anderson anfing, weiter fortgesetzt hätte. Ich hätte mich auf jeden Fall als Fan drauf eingelassen, evt. auch mit einem zusätzlichen Sänger (nein, keinen Schauspieler) zur Unterstützung beim alten Material. Körperlich ist er für einen über 70jährigen doch noch fit, da kenn ich ganz andere Gestalten. Und ich behaupte ganz einfach, dass er auch nichts an Kreativität eingebüßt hat.

Mein Fazit: Ich glaube, dass der Zug nun endgültig abgefahren ist. Der Punkt, der noch eine künstlerische Wende hätte bedeuten können ist verpasst und überschritten. Selbst wenn nun 2021 noch ein Album mit neuen Werken rauskommt, was mich trotzdem freuen würde, wird die Gesamtlage nicht mehr zum Positiven wenden. Das macht mich zum Einen total traurig und zum Anderen zusätzlich nocht ratlos, weil ein alter Held einem erbärmlichen künstlerischen Ende entgegenstrebt.

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Dietmar
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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Dietmar » Mi Nov 18, 2020 12:14 pm

Denke, der "Analyse" braucht man wenig hinzufügen, in weiten Teilen kann ich mich dem so anschliessen.

Auf der "HE"-Tour fehlte ja ganz offensichtlich die Aktzeptanz des Publikums, sich das eine Konzert-Hälfte lang komplett anzuhören. Dementsprechend wurde das Album dann ja bereits im Laufe der Tour "gekürzt", um zumindest vor der Pause noch ein paar "Greatest Hits" platzieren zu können, damit die Leute nach der Pause zumindest wiederkommen....

Diese negative Erfahrung scheint Anderson dann nachhaltig davon abgehalten zu haben, den kurzfristig eingeschlagenen Weg der "Erneuerung" weiterzugehen. Was sehr bedauerlich ist, da bin ich bei Dir. Ich halte "HE" nach wie vor für ein großartiges Spätwerk, das ich von Zeit zu Zeit immer wieder gerne höre.... möglicherweise wird das dann sogar noch das "Vermächtnis". Muss man nicht beschreien, aber die Wahrscheinlichkeit nimmt Jahr für Jahr zu.

Ob noch mal etwas "Neues" erscheint, erscheint mir zunehmend fraglich. Gelegenheiten, ein neues Album fertigzustellen, hätte es sicherlich gegeben - wenn er es GEWOLLT hätte. Das scheint nicht der Fall zu sein. Wie ich neueren Interviews entnehme, hat er sich die letzten Monate dann wohl eher mit Covid-19 und aller möglicher wissenschaftlichen Abhandlungen zum Thema beschäftigt. Wenn ihn das mehr interessiert, ist das sein gutes Recht, das zu tun.

Sollte diese "Prog Years"-Tour nächstes Jahr fortgesetzt werden, schaue ich mir das in Bremen gerne noch mal wieder an. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dass diese ganzen "Best Of"-Touren, egal wie sie gerade heißen, neues Material nicht wirklich "ersetzen" können, geht mir eigentlich schon seit 1993 so. Da nahm das "Unheil" mit den 25-Jahre-Feierlichkeiten erstmals seinen Lauf und wurde seitdem eigentlich nur noch mal "sporadisch" durch neues Material bzw. durch etwas "Originelles" ("TAAB2"-Tour) unterbrochen.

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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Motoreyes » Mi Nov 18, 2020 7:56 pm

Anders ist es wohl nicht zu erklären. Es ist zumindest eine für mich sehr wahrscheinliche Kausalkette, inkl. der "Verzögerungen" hinsichtlich eines neuen Albums. Innerlich hege ich die Befürchtung auch, dass es nie zu einer Neuveröffentlichung kommen wird. Wobei ich immer noch die Hoffnung habe, dass er den bisherigen Produktionsaufwand nicht völlig in den Wind schießen wird und zB ein SW das ganze nicht posthum ausgraben wird müssen :? .

Ich habe eigentlich (ist eigentlich ein Schei..wort) keinen Bock mehr, über die heutigen Aktivitäten des Herrn IA nachzugrübeln. Es zieht hinsichtlich dieser meiner Spitzenpositionlieblingsband nur runter. Ich möchte mich einfach nur auf Benefit, A und die folgenden Remixboxen freuen. Living In The Past. Aber irgendwie lässt mich das Thema auch scheinbar nicht wirklich los. Besonders nachdem ich hier so einige Fäden gelesen habe und merke, dass ich neben der gefühlten Mehrheit der Konzertjubler noch Leidensgenossen habe. Macht die Sache nicht besser, aber ... ach, ich weiß auch nicht.

Ich höre gerade die neue ACDC probe mit dem gleichaltrigen Brian Johnson mit seinem anstrengenden Pressgesang auf aller höchstem (Studio-)Niveau.

Ach ist das alles ein Elend...... :cry:

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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Laufi » Mi Nov 18, 2020 9:25 pm

Moin:
Motoreyes hat geschrieben:
Mi Nov 18, 2020 7:56 pm
Ich möchte mich einfach nur auf Benefit, A und die folgenden Remixboxen freuen. Living In The Past.
Das mache ich genauso.
Ich fand Deinen Text ziemlich treffend und den Vergleich zu Deep Purple ziemlich klasse. Die haben schlicht ein Mörderalbum hingelegt, obwohl es eben Limitierungen (Stimme, Alter, etc.) gibt. Quasi den Absprung geschafft.
Ich habe die HE Tour tatsächlich nicht gesehen, aber war die TAAB Tour nicht auch schon was für Freaks und nicht grad die breite Masse? Ich meine, die Gelegenheitsbesucher mussten sich ja auch erstmal gnadenlos durch zwei Konzeptalben mühen, oder?
Das war mein letzter Gig, wimre. Und ich fand's übel - nicht wegen TAAB (mein Lieblingsalbum und TAAB2 finde ich sehr ordentlich), sondern wegen der runtergeleierten, langweiligen Performance, dem ... naja, über den Gesang wollen wir nicht mehr reden, ok? ... und der Sound war auch nicht prall. Inhaltlich hätte mich das sicher gepackt, wenn der Rest gestimmt hätte. Aber "IA massakriert mein Lieblingsalbum", das war genug für mich.

Wahrscheinlich hat Dietmar recht und das fing alles 1993/94 mit der unendlichen 25 Years Tour an (wobei ich die RtB Tour ganz geil fand!). Was soll's? ich freue mich wie Bolle auf die nächsten Boxen und auf das, was noch aus den Archiven gekramt wird und es gibt ja auch noch ganz viel andere tolle Musik zu entdecken (hier läuft tatsächlich grad der SW 5.1 Mix von "The Seeds Of Love" von Tears For Fears - was ne geile Scheibe, jahrzehntelang an mir vorbei gegangen ...)

P.S.: grad kam mir dann der Gedanke/Vorsatz: ich gucke mir das noch *einmal* an (wenn es denn noch eine Gelegenheit dazu gibt). Wir müssen uns im klaren darüber sein, dass das nicht mehr so lange dauert. Und vielleicht kann ich dann das Buch echt ganz gut zuklappen. Wir können ja die alte Gang nochmal zusammenkratzen ;-)

cheers,

Laufi
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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Motoreyes » Mi Nov 18, 2020 10:26 pm

Bzgl. der TAAB-Tour muss ich Dir natürlich Recht geben. Das allgemeine Publikum verhält sich diesbzgl. in der Masse inhomogen. TAAB hat natürlich seit Jahrzehnten eine ganz besondere Stellung in der Bandgeschichte. Und diese Stellung zieht bei einer Konzertreihe sicherlich, insbesondere,wenn noch ein wirklich guter Nachfolger mitbeackert wird. Dass die Performance (ja, die Gesangsversuche außen vor) nicht gut war, ist mir anhand der Mitschnitte aufgefallen. Der Motor lief mit weniger als Teillast, stellenweise im Leerlauf. Langweilig und konturlos. Er hat ja wirklich super Musiker, sie wirken aber musikalisch und bühnentechnisch farblos. Letzteres wäre mir gar nicht so wichtig. Und gute Performance hat nichts mit dem Alter zu tun.

Das gilt auch für die Albumproduktion von TAAB 2 sowie für HE, obwohl beide Alben klasse waren. Aber der "Rockmodus" wurde mE schon krampfhaft von IA vermieden. Das ist seine eigene produktionstechnische Filterblase, die er sich erschaffen hat. Da fehlt eben jemand, der ihm mal kräftig in den Selbigen tritt. Ian Gillan und Co haben das schon fast schmerzhaft erfahren müssen. Gillan wollte eigentlich keine neuen Alben mehr aufnehmen, weil ihn die Studioaufenthalte, die tw überlang waren und sich zäh gestalteten, an den Rand des kleinen Wahnsinns brachten. Rückbesinnung und Produktionsstraffung waren die Zauberworte. Ezrin sagte zu den Jungs, sie sollen keine Songs machen, sondern Musik. Man muss sich aber auch auf Veränderungen einlassen. Sein wir ehrlich, dass wird bei IA nicht passieren.

Zurück zu IA: Der Erfolg von TAAB 2 und der Tour schienen ihn ermutigt zu haben, mit HE schon ziemlich schnell ein Nachfolgealbum nachzusteuern. Wie wir wissen, ein hervorragendes. Aber das reichte dann scheinbar nicht als ein Zugpferd für die folgende Tour. Meine Vermutung: Wenn aber in der Perfomance ähnlich "viel" Teillast und Leerlauf war wie bei der TAAB-Tour, das Publikum also nicht von den neuen Songs überzeugt und mitgenommen wurde, weil das Ganze lustlos wirkte, dann konnte das nur schief gehen.

Vlt. fing das Endlos-Best-Of-Touren mit dem 25. an. Immerhin kamen aber noch mit RTB und JTCA gute Alben heraus. Richtig krass wurde es eben nach 2003. Dot.Com und dessen Erfolglosigkeit war da evt. ein Trauma auslösender Faktor, was JTCA als teilneues Werk nicht wettmachen konnte.

Ja, ich bin mir sehr wohl im Klaren darüber, dass es nicht mehr allzu lange gut gehen kann. Ich versuche aber weiteres Schauen und Hören von aktuellen Livemitschnitten zu vermeiden. Es bereitet mir mittlerweile selbst schon fast körperliche Schmerzen, wenn ich seine Qualen am Mikro mitverfolgen muss.

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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Dietmar » Do Nov 19, 2020 7:54 am

Laufi hat geschrieben:
Mi Nov 18, 2020 9:25 pm
P.S.: grad kam mir dann der Gedanke/Vorsatz: ich gucke mir das noch *einmal* an (wenn es denn noch eine Gelegenheit dazu gibt). Wir müssen uns im klaren darüber sein, dass das nicht mehr so lange dauert. Und vielleicht kann ich dann das Buch echt ganz gut zuklappen. Wir können ja die alte Gang nochmal zusammenkratzen ;-)
Genau.... und dann alle in der 1. Reihe mit "Beggar's Farm"-Mund-Nase-Maske..... :shock: .... sozuzagen als "Armee der Finsternis".... :mrgreen:

Letztlich geht jeder mit dem Thema anders um, kann man die Jahre über auch in diesem Forum ganz gut mitverfolgen. Und ich denke eben auch, da gibt es kein "richtig oder falsch" mehr. Die Uhr, in der das fast jeder hier in seinen eigenen "Hey Days" miterlebt kann (wann auch immer die jeweils waren), kann man nun mal nicht mehr zurückdrehen. Die einen trösten sich mit diesen Box-Sets (die mir persönlich eher wenig geben, da ich noch nie "Sammler" war), andere schauen sich das hin und wieder noch mal an unter der Rubrik "immerhin, er lebt noch" (da gehöre ich dann wohl zu), wiederum andere sind vielleicht völlig raus und erfreuen sich an Ihrer eigenen Rente anstatt zu schauen, was ein anderer daraus macht..... :wink:

Von daher ist mittlerweile igendwie auch "alles gesagt", wenn auch vielleicht noch nicht von jedem.... ich hab' hier auch, wie viele andere, viele Jahre "Herzblut" in die Geschichte investiert. Ob das alles so richtig und "sinnvoll investierte Zeit" war, darüber könnte man heute sicher streiten. Aber war ja auch ganz schön. Aber es hat inzwischen auch schon ein wenig etwas von einem "früheren Leben", wo ich selber dann mit einer gewissen Distanz draufschaue. Und auch das ist gut so. Von daher kann ich das jetzt halt einigermaßen "leidenschaftslos" mitverfolgen. In "homöopatischen Abständen" hin und wieder mal ein Gig, wenn's örtlich/terminlich reinpasst ist okay.... ohne dass man dann deswegen noch vor Begeisterung auf den Stühlen stehen müsste. Hat man alles mal gehabt..... :)

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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von misternelson » Do Nov 19, 2020 9:24 am

Sehr interessante Diskussion! Noch ein Gedanke von meiner Seite: fing das mit der schlechten Akzeptanz neuer Musik nicht schon 1984 bei UW an, oder sogar schon 1980 mit A und der neuen Mannschaft?
Ich bin einen neuerer Jahrgang und habe Tull altersbedingt erst 1988/89 entdeckt. Daher sind meine Einstiegs- und Lieblingsalben u.a. Crest, Rock Island etc., den Rest habe ich erst später entdeckt. Vielleicht bin ich daher - aber auch bei anderen Bands - immer an neuer Musik interessiert, fand die HE klasse, die neuen Songs, die leider nur live gespielt wurden vor ein paar Jahren. Aber ich fühle mich da ein wenig alleine, da die meisten Leute Tull für die Zeit Anfang der 70er schätzen und das noch heute hören wollen.
Ich bräuchte weder Loco, noch Aqua oder My god - sondern lieber vergessene Perlen der anderen Alben. Stellt euch mal "Heat" anno 2020 vor oder "Broadsword" oder "Strange Avenues". Ohh, das wärs...
Was schon gesagt wurde: Ian ist beratungsresistent und wird das bleiben. Ich vermute, er ist da ein sehr spezieller Charakter, der eigene Ziele verfolgt, die anderen unverständlich sind. Und sein Erfolg in Summe gibt ihm ja auch recht: vermutlich musste er so sein, um die großen Meilensteine zu erschaffen und so kreativ neue Wege zu gehen.
Wie auch immer: es gibt vielleicht noch 5, 6, 7... Jahre Zeit für Auftritte und Aufnahmen, von denen er ja immer gesprochen hat (fertig geschriebene Alben, die nur noch...). Spätestens mit ca. 80 ist dann irgendwie Schluss.
Vielleicht hat er ja noch eine Aufnahme (bitte keine Überarbeitung alter Sachen, sondern neue Songs) im Schuh und falls nicht: jede Box ist für mich wg. der Extras ein wenig wie ein neues Album und Material hat er ja wirklich für 3 Bands aufgenommen.

Tull: meine 3 Lieblingsbands! Eine von Ende 60er-Ende 70er, eine von 1980 bis 1999 und eine mit den ganzen Solosachen und allem seit 2000.
Das ist doch was ;-)

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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Motoreyes » Do Nov 19, 2020 10:20 am

Dietmar, Du bist eine Stimme der Vernunft. Die höre (lese) ich wohl. Es ist nur so:

Ich habe in meinem weiten und breiten Umfeld niemanden, also wirklich niemanden, der die jahrzehntelang gewachsene emotionale Bindung mit der Musik an sich und einer bestimmten Band im Besonderen und ganz speziell mit einer Band wie JT auch nur irgendwie im kleinst möglichen Ansatz nachvollziehen kann. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Ich habe das bzgl. JT/IA nun auch jahrelang weg ignoriert, eben aufgrund der empfundenen Enttäuschung nach einem angeblichen Neustart. Erst in den letzten zwei Jahren habe ich mich wieder sehr intensiv mit dieser Band beschäftigt, weil ich nun selbstverschuldet geldaufwändig die 40th Anniversary Editions zusammen sammle. Und ich habe gemerkt, dass diese emotionale Bindung immer noch stark ist. Damit kam aber auch wieder das Hadern mit der aktuellen Situation und den entsprechenden Umständen dazu, ignorieren für mich scheinbar unmöglich.

Ich bin deswegen froh, dass ich hier ein kleines, feines Ventil in From dieses Forums wieder entdeckt habe, wo ich meine Hadereien zumindest schriftlich niederlegen kann und ich weiß, dass mich da draußen auch ein paar Mitfans verstehen können. Vlt. gelingt es mir auch nochmal, meine emotionale Bindung und Leidenschaft an/für diese Band in Worte zu fassen. In meiner Vorstellung von vor 6 Jahren ist das tw eingeflossen. Ich möchte das natürlich auch nicht ausufern lassen. Vlt. mache ich das mal in einem eigenen Faden, den können Mitforisten zumindest durch auslassen ignorieren.

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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Whistling Catfish » Do Nov 19, 2020 10:48 am

misternelson hat geschrieben:Stellt euch mal "Heat" anno 2020 vor
:shock: Besser nicht.....
I wish I was a Catfish, swimmin' in the deep blue sea....

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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Motoreyes » Do Nov 19, 2020 10:49 am

misternelson hat geschrieben:
Do Nov 19, 2020 9:24 am
Sehr interessante Diskussion! Noch ein Gedanke von meiner Seite: fing das mit der schlechten Akzeptanz neuer Musik nicht schon 1984 bei UW an, oder sogar schon 1980 mit A und der neuen Mannschaft?
Da IA schon immer irgendwie polarisiert hat, gibt es da wohl noch mehr zeitliche Ansatzpunkte einer Nichtakzeptanz. Damit hat JT aber kein Alleinstellungsmerkmal. Meine weiteren Lieblingsbands sind nahezu alle davon betroffen.
misternelson hat geschrieben:
Do Nov 19, 2020 9:24 am
Ich bin einen neuerer Jahrgang und habe Tull altersbedingt erst 1988/89 entdeckt. Daher sind meine Einstiegs- und Lieblingsalben u.a. Crest, Rock Island etc., den Rest habe ich erst später entdeckt. Vielleicht bin ich daher - aber auch bei anderen Bands - immer an neuer Musik interessiert,...
Wir sind vmtl. so ziemlich eine Generation. Fing bei mir mit dem richtigen Fan-Sein mit dem Erscheinen von COAK an. Ich war deswegen auch lange mit diesen neueren Produktionen eng verbunden. Die 70er Jahre haben sich mir da erst nach und nach und mit den Remixen so richtig erschlossen.

Auch ich bin zu aller erst an neuem Material interessiert. Wenn andere gerne allein in der Vergangenheit schwelgen möchte, sollen sie es tun. Aber gerade das ist scheinbar für IA zum letztendlichen Verhängnis geworden. Und das hat primär nichts mit seiner Stimme zu tun.

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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Dietmar » Do Nov 19, 2020 3:35 pm

Motoreyes hat geschrieben:
Do Nov 19, 2020 10:20 am
Dietmar, Du bist eine Stimme der Vernunft. Die höre (lese) ich wohl. Es ist nur so: (...)
Jeder geht da letztlich anders mit um. Ich denke, um "Vernunft" (oder nicht) geht es da nur bedingt.....

Ich hab' die Phase des "haderns" halt lange hinter mir. Unser Katzenfisch wird sich erinnern..... "Hauser & Kienzle" waren fast schon legendär in diesem Forum.... damals.... :mrgreen: ... gibt's heute höchstens noch mal als "Re-Mix" mit vertauschten Rollen.... :P

Irgendwann hab' ich's halt verdaut.... die Jugend (inkl. allem, was damit vielleicht mal verbunden war), ist unwiderbringlich futsch..... und damit meine ich in erster Linie mal meine eigene..... :wink: .... wenn man den Punkt dann mal erreicht hat, fällt es meiner Meinung nach nicht so schwer, die Dinge etwas lockerer zu sehen..... und eben auch diese "Leidenschaft", die man damit mal verbunden hat. Ich bin jetzt 53, fühle mich mehr oder minder "alt" .... muss theoretisch aber auch noch 14 Jahre bis zur Regelrente arbeiten.... :? ..... hier tut's weh.... da zwackt's.... ist halt so und auch nicht völlig ungewöhnlich in dem Alter..... was soll ich da an jemandem rumnörgeln, der 20 Jahre älter ist und immer noch in der Lage ist -in welcher Qualität auch immer- 2 Stunden auf der Bühne zu gestalten. Zumindest dafür hat er immer noch meinen RESPEKT. Das hätte ich nicht mal in meinen persönlichen "Hey Days" mitte zwanzig geschafft.... :wink:

Kann man also "Vernunft" nennen.... oder "Einsicht".... oder "Kapitulation".... wie auch immer man das Kind nennen will. Vielleicht ist mir einfach meine verbleibende Lebenszeit zu schade, mich noch groß über Dinge zu ärgern, die ich eh nicht beeinflussen geschweige denn "zurückdrehen" kann. Das könnte man dann vielleicht "vernünftig" nennen...

Der Kölner (Gruß an Laufi, wenn auch nur eingemeindet) sagt eh immer: "Et is wie et is und et kütt wie et kütt" .... :) :wink:

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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Motoreyes » Do Nov 19, 2020 8:11 pm

Ich hänge der Jugend nicht nach. Was ich aber bis jezt immer mit ins nächte Jahrzehnt gerettet habe war ein gewisses Gefühl, dass ich zB mit Musik verbinde. Das kann natürlich auch von Künstlern sein, deren Lebens- und/oder Schaffensgeschichte bereits ein geschlossenes Buch ist. Damit kann ich mich absolut abfinden.

Abfinden kann ich mich aber nicht mit derartigen Vorgehensweisen, wie sie zB IA an den Tag legt. Auch mit über 50 nicht. Zumindest noch nicht, solange er noch fleißig auf großen Bühnen unterwegs ist. Vlt. ist das ja auch Sturheit. Im Grunde genommen ist es vmtl. so, dass ich doch noch nicht aufgeben möchte zu hoffen. Dabei laufe ich natürlich auch Gefahr, weiter enttäuscht zu werden. Gehört halt zum Leben dazu.

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Re: 2020 - The Prog Years Tour

Beitrag von Ulla » Fr Nov 20, 2020 10:59 am

Laufi hat geschrieben:
Mi Nov 18, 2020 9:25 pm
P.S.: grad kam mir dann der Gedanke/Vorsatz: ich gucke mir das noch *einmal* an (wenn es denn noch eine Gelegenheit dazu gibt). Wir müssen uns im klaren darüber sein, dass das nicht mehr so lange dauert. Und vielleicht kann ich dann das Buch echt ganz gut zuklappen. Wir können ja die alte Gang nochmal zusammenkratzen ;-)
Das ist ja mal ne tolle Idee. Lass uns das machen!!! Ein schönes Wochenende zusammen und das letzte Konzert.
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